Behind the scenes #1: Dead Ends and Cake

MIT ORGANISATOR DOMINIK BOKSTALLER

Um sie dreht sich alles, wir folgen ihren Punkten auf der Karte im Rennen, sie sind die Stars, die unglaubliche Leistungen vollbringen und ohne sie wäre alles Nichts: Die FahrerInnen, die sich den mal mehr und mal weniger abenteuerlichen Herausforderungen jedes Bikepacking- und Ultracycling Events stellen. Und das ist auch gut so.

Wer dabei gleichzeitig – mit einigen Ausnahmen – in den Hintergrund tritt, sind die Menschen, die diese Abenteuer erst ermöglichen: Die OrganisatorInnen, die oft mit viel Herzblut und Idealismus ihre Vision von einem Bikepacking Adventure oder Ultracycling Race auf die Straßen und Schotterwege bringen. Genau hier setzt Behind the Scenes an und schaut hinter die Zahlen, Daten und Fakten eines Events auf die OrganisatorInnen.

ÜBER Dominik

37 Jahre

Schweiz

15.200 KM
205.000 HM
(2020)

Touring,
Long-distance

Dominik ist begeisterter Velofahrer, Bikepacker, Tourenplaner und Ultracyclist – stets auf der Suche nach schönen Routen und dem besten Kuchen. Vor zwölf Jahren kam durch eine einwöchige Bikepacking Tour zum Radfahren – schlecht ausgestattet und noch schlechter vorbereitet war es doch ein großartiges Abenteuer. Und die Faszination hat ihn seither nicht mehr losgelassen.

Gemeinsam mit seiner Freundin war er bereits auf zahllosen Bikepacking Touren überall in Europa unterwegs: über die großen und bekannten Alpenpässe, durch die schottischen Highlands, auf den Strade Bianche in Italien und in vielen anderen großartigen Gegenden in Europa wie Slowenien, Spanien, Frankreich und natürlich der Schweiz.

In den letzten zwei bis drei Jahren sind die Strecken stetig länger und bergiger geworden – 200, 300, 400 Kilometer und das war noch nicht das Ende. Nach einem Everesting in den Schweizer Alpen ist Dominik 2020 dann zum ersten Mal in die Ultra-Szene eingetaucht und hat beim SUCH (Swiss Ultracycling Challenge) trotz technischer Probleme den dritten Platz hinter den bekannten Größen Fiona Kolbinger und Adrien Liechti geholt.

Für 2021 plant er mit DEAD ENDS and cake seine erste eigene Veranstaltung

DAS INTERVIEW

Du bist selbst schon bei Ultracycling Events am Start gewesen und hast auch in diesem Jahr wieder einiges vor. Wie kam es zur Idee vom Teilnehmer zum Organisator zu werden?

Ehrlich gesagt bin ich vor 2020 zwar schon einige lange Touren gefahren, aber noch nie an einem Ultra-Event gestartet. Ausschlaggebend war SUCH 2020 . Während und nach der Teilnahme habe ich von unzähligen Leuten Nachrichten erhalten. Das Format hat Velofreaks, aber auch solche, die mit Radfahren nichts am Hut haben, gleichermassen gefesselt. Die Kombination aus der freien Routenwahl, der für viele schwer vorstellbaren Distanz und dem self-supported Unterwegssein hat fasziniert. Den meisten war das Dotwatchen und die Ultracycling Szene völlig neu.

Diese Faszination wollte ich für mehr Leute zugänglich machen. Die meisten Bikepackingevents sind mit Distanzen von über 1000 km für Viele nicht möglich. Sei es aufgrund von mangelnder Fitness (obwohl Viele unterschätzen, was sie zu leisten vermögen) oder fehlender Zeit aufgrund von Job / Familie.

DEAD ENDS and Cake - Was steckt hinter diesem verlockenden Titel Deines Events?

Dead Ends – Sackgassen. Viele meiden sie, weil es sich beim Radfahren ja gehört, eine Runde zu fahren. Doch genau darin liegt deren Reiz! Nicht nur Velofahrer meiden Sackgassen, sondern auch der motorisierte Verkehr. Im Laufe der letzten Jahre habe ich die Ruhe, die schmalen Strässlein und die Abgelegenheit von Sackgassen immer mehr zu schätzen gelernt. Gerade hier in den Bergen der Ostschweiz führen unzählige kleine, in den Felsen geschlagene Strässlein an wunderschöne, verwunschene Orte zuhinterst ins Tal oder zuoberst auf die Alp.

Und Kuchen? Tja – Radfahren ohne Kuchen ist möglich, ist aber sinnlos! Viele UltracyclerInnen verzichten auf Energiegels und -riegel und setzen stattdessen auf Kuchen, Pizza, Schokolade und Gummibärchen. Weshalb? Weil’s schmeckt.

Die Sportindustrie erzählt uns, dass Ausdauerleistungen nur mit Powerfood, Eiweiß-Shakes und Coffeingels möglich sind. Doch schaut mal, was die TopfahrerInnen im Ultracycling essen und trinken: Pizza, Snickers, Kebab, Pommes, Cola, Schokomilch und Kuchen. Wenn möglich, alles wild durcheinander.

TCR, TPBR, SUCH... in Europa und der Schweiz gibt es bereits eine Vielzahl von Bikepacking Events.
Was unterscheidet DEAD ENDS and cake und für wen ist es besonders attraktiv?

Da ist die Distanz und damit verbunden die Dauer. Die knapp 500 km sind für viele in einem Wochenende zu absolvieren. Und trotzdem bietet der Event alles, was das Bikepackerherz begehrt: traumhafte Landschaft, freie Routenwahl, super Begegnungen unterwegs und mit ca. 8.000 HM eine sportliche Herausforderung.

Mit der freien Routenplanung entscheiden die TeilnehmerInnen auch selbst, welches Velo sie wählen – Rennrad, Gravel oder Mountainbike können je nach Route die beste Wahl sein. Und die meisten Checkpoints sind so gelegt, dass geschickte RoutenplanerInnen, die einige Hike-a-bike-Passagen nicht abschrecken auch Wege am Ende der vermeintlichen Sackgassen finden.

Was mir jedoch fast noch wichtiger ist, ist der Charme und die Stimmung an einem Event. Das ist etwas, was nicht durch Geld, sondern nur durch viel Herzblut möglich wird. Die kleinen Dinge und Überraschungen, welche zwar nicht unbedingt nötig sind, aber in Erinnerung bleiben. So entstehen Geschichten und nur so erhält ein Event einen Charakter.

Das Ultracycling ist bereits jetzt eine sehr inklusive Gemeinschaft und hat dank gemischten Leaderboards und den selben Bedingungen für alle einen riesigen Vorsprung gegenüber vielen etablierten Sportarten. Trotzdem sind viele Pelotons bei Bikepackingevents enorm männerdominiert. Da ich der Meinung bin, dass ein durchmischtes Feld gut für jeden Event ist, werden die Startplätze zwischen Frauen* und Männern aufgeteilt.

Deine Website und der Instagram Account sind seit wenigen Wochen online - bald startet die Anmeldung. Wie war das Feedback bisher?

Ehrlich gesagt: Ich bin absolut überwältigt! Bereits jetzt übersteigt die Zahl der Interessenten die der Startplätze um ein Mehrfaches und zieht sowohl FahrerInnen aus der Region wie auch bekannte Namen aus der Ultracycling Szene an. Das ist enorm motivierend und zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich freue mich riesig über die Feedbacks, bin aber auch froh um Kritik, Fragen und Tipps.

Die Anmeldung startet Mitte Februar 2021 und es werden 40 Plätze vergeben (je 20 an Frauen*/Männer) für die gilt „First come, first serve“. Mit ein paar Freunden und Partnern werden es am Ende 50 TeilnehmerInnen sein, die solo oder als Team an den Start gehen.

Um ein solches Event auf die Beine zu stellen, gibt es unglaublich viel zu tun.
Stemmst Du das alles allein oder holst Du Dir Unterstützung?

Ja, ich bin alleiniger Organisator. Das hat den Vorteil, dass ich Entscheidungen sehr schnell und unkompliziert treffen und so meine Idee von diesem Event möglichst getreu umsetzen kann. Zudem erhalte ich in der Umsetzung großartige Unterstützung aus meinem Freundeskreis. Freiwillige HelferInnen, Unterstützung beim Erstellen der Website, ein Team für die Foto-Vespa und nicht zuletzt meine Freundin, die mich bei all dem unterstützt und zwischendurch auch wieder zur Vernunft bringt – sie wird natürlich selbst auch starten!

Auch rechtlich gibt es bei allem Enthusiasmus für den Sport sicher einiges zu beachten, oder?
Wie sind da Deine Erfahrungen?

Die Gründung eines Vereins entlastet mich als Privatperson. Zudem sind Eigenverantwortung, das zwingende Einhalten von Verkehrsregeln, das Abschätzen von Risiken und ein wenig Vernunft grundlegende Eigenschaften für Self-supported-Rennen.

Wo nötig bin ich vorab mit den lokalen Behörden in Kontakt, um mich und den Event anzumelden und abzusichern. Hier geht es aber in erster Linie um kleine Dinge wie zum Beispiel um Zufahrtsbewilligungen für die Crew- und Fotofahrzeuge. Ansonsten bereite mich auf viele Eventualitäten vor, kenne alle freiwilligen HelferInnen persönlich und weiss, dass ich ihnen komplett vertrauen kann. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

Stichwort „Corona“ - Im letzten Jahr mussten viele Events deshalb ausfallen. Wie gehst Du damit um?

Ein wichtiger Punkt, den ich nicht oder nur bedingt beeinflussen kann. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass Radfahren im Sommer möglich sein wird. Ob und wie sich allfällige Maßnahmen auf das Startprozedere, die Checkpoints und vor allem auf das Finisher-BBQ auswirken, lässt sich nicht voraussehen. Dort gibt es aber Möglichkeiten und Ideen, den Event an die Rahmenbedingungen anzupassen. Wer zum jetzigen Zeitpunkt eine Veranstaltung plant, kann im Sommer nicht behaupten von allfälligen Einschränkungen überrascht zu sein.

Kommerziell oder Nicht-Kommerziell? Wo siehst Du Dein Event und was hältst Du von der Entwicklung, dass mehr und mehr Events rauskommen und Startgelder im mittleren dreistelligen Bereich aufrufen?

Bei der Idee und Entstehung des Events stand und steht jederzeit der Spass am Radfahren im Vordergrund. Die Durchführung des Events ist mit den Startgeldern im zweistelligen Bereich sichergestellt. Die Unterstützung von Partnern hilft mir dabei, die kleinen Specials und Überraschungen umzusetzen, den Volunteers eine gute Zeit zu ermöglichen und die Emotionen in professionellen Bildern festzuhalten. Es ist mir wichtig, dass Sponsoren und Partner einen Bezug zum Bikepacking und Radfahren haben. Nur so entsteht eine authentische Zusammenarbeit, welche ein Fortbestehen des Events in den Folgejahren ermöglicht.

Welchen Tipp gibst Du allen, die auch mit dem Gedanken spielen, einmal selbst eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen oder gerade mittendrin stecken?

Nimm dir als Ziel, genau den Event zu gestalten, an dem du mit deinen Freunden gerne Jahr für Jahr teilnehmen würdest. Die finanziell lukrativste Partnerschaft ist nicht zwingend die erfolgreichste, sondern vielmehr sollte sie den TeilnehmerInnen nutzen und authentisch sein.

Zum Abschluss: Welches Event steht ganz oben auf Deiner „Will-ich-unbedingt-noch-machen-Liste“?

Schwierige Frage. Da ist natürlich SUCH, direkt vor der Haustüre, mit einem superspannenden Format und sehr sympathischen Organisatoren. Aber eigentlich freue ich mich darauf, mal einen Event im Duo mit meiner Freundin zu fahren. Seit Jahren verbringen wir unseren Urlaub auf dem Velo und haben stets eine super Zeit.

dead ends and cake

  • 5 Sackgassen mit Checkpoint & Kuchen
  • Freie Routenwahl
  • 500 KM und 8.000 HM
  • Start in St. Gallen
  • Solo oder als Team
  • 25. – 27.  Juni 2021
Mehr Informationen und Anmeldung unter:

Fotos: Dominik Bokstaller, C.j Lin

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